Warum der Klimawandel keine Klimakrise ist

Was für einen schönen goldenen Oktober hatten wir dieses Jahr – der wärmste in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und das nach dem langen und warmen Sommer. Auch wenn wir viel – oft zu viel – Hitze hatten, und es zu wenig geregnet hat, war es nicht der wärmste, auch nicht der trockenste, aber dafür der sonnenreichste Sommer. Ich mag Hitze eigentlich nicht. Aber der strahlende Sonnenschein von tiefblauem Himmel war immer wieder ein Genuß für Augen und Seele. Jetzt, da die Tage zusehends kürzer werden und die Temperaturen sinken, blicke ich mit Dank und Wehmut auf diesen großartigen Sommer zurück.

Konnten Sie die schönen Seiten des Sommers auch genießen? Oder haben Ihnen die Sorgen wegen des Klimawandels die Freude am Sommer verdorben? Schließlich gibt es immer mehr und intensivere Hitzewellen samt Trockenheit. 40,1 Grad in Hamburg – das war schon heftig. Die Medien sind voll von beunruhigenden Nachrichten – gerade jetzt wieder anläßlich der UN-Klimakonferenz COP27 in Ägypten. Psychologische Studien berichten von zunehmender Klimaangst. Angst zu schüren ist jedoch nicht harmlos. Es ist verantwortungslos: Angst engt den Blick ein, Diskussionen und Entscheidungen werden irrational – kontraproduktiv in Zeiten, die Weitblick und Besonnenheit brauchen. Beides liegt mir sehr am Herzen. Deshalb nochmals ein Artikel zum meterologischen Klima mit einigen weiteren Informationen, obwohl es auf diesen Seiten eigentlich um das zwischenmenschliche Klima geht.

Wie schlimm ist es?

Die Klimakrise ist ja nicht die einzige Krise, mit der wir es zu tun haben. Finanzkrise, Coronakrise, Pflegekrise, Ausbildungskrise, Ukrainekrise, Energiekrise, Versorgungskrise – es will gar nicht aufhören mit den Krisen. Wenn uns da mal nicht der Mut verläßt…

Doch eines sollten wir nicht vergessen: Die Presse berichtet nicht ausgewogen. „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ – denn sie bringen Einschaltquoten und Klickzahlen. Der Statistiker und Gründer der Gapminder-Stiftung, Hans Rosling, hält dagegen: „Die Welt ist besser, als wir glauben.“ In seinen genialen TED-Talks begründet er das auf eindrucksvolle und geradezu beglückende Weise. Die Gapminder-Stiftung weist uns auf die Informationslücke, die die Nachrichtenmedien hinterlassen: „Mind the gap!“ Wenn Sie in den Nachrichtenmedien noch nie von Rosling gehört oder gelesen haben: Kein Wunder – verdirbt er ihnen doch das Geschäft.

„Die Welt ist besser, als wir glauben.“

Wie schlimm ist es also mit dem Klima? Wie ist der Stand der Klimaforschung? Was kann man entdecken, wenn man den Blick weitet? Man kann entdecken, daß Trends nie endlos weiterlaufen. Das Klima schwingt über die Jahrhunderte hinweg auf und ab: Die römische Warmzeit. Die Kälteperiode der Völkerwanderungszeit. Die mittelalterliche Warmzeit. Die kleine Eiszeit ab dem Spätmittelalter – sie endete erst vor 150 Jahren. Seitdem ist die weltweite Durchschnittstemperatur um 1,1 Grad gestiegen – was eigentlich zu erwarten ist, wenn man aus einer ungemütlichen Kälteperiode kommt, in der manchmal schon Schnee im August das Getreide auf dem Halm verderben ließ. Das Erstaunliche daran ist, wie klein dieser Wert ist – kleiner als das Regelintervall moderner Thermostaten an Heizungen oder Klimaanlagen.

Herausforderungen für Klimamodelle

Besonders die Klimamodell-Programmierer staunen darüber. Sie haben Mühe, ihre Modelle so zu justieren, daß sie nicht in die eine oder andere Richtung überschießen. Klimamodelle legen ein virtuelles Gitternetz über die Erdoberfläche, und staffeln es auch in die Höhe. Das ergibt bei einer Zellengröße von vielleicht 100 x 100 Kilometern und drei „Etagen“ etwa 150.000 Gitterzellen. Für jede Gitterzelle berechnen sie beispielsweise im Viertelstundentakt die atmosphärischen Verhältnisse. Das macht bei einer Laufzeit von 30 Jahren über 1 Million Berechnungen pro Gitterzelle. Das Ergebnis jeder einzelnen Rechnung geht als Ausgangswert in den nächsten Zeittakt ein.

Klimamodelle überschätzen die Gefahr der Klimaerwärmung

Es liegt auf der Hand, daß sich in solchen rekursiven, um sich selbst drehenden Abläufen auch kleinste Programmier- oder Rundungsfehler unweigerlich zu Werten aufsummieren, die das Ergebnis verfälschen. Ein Programmierer berichtet, daß es in den Modellen deswegen Prüfroutinen gibt: Tauchen in einer Zelle unplausible Werte auf, etwa negative Bewölkung, negative Schneehöhen, zu viel oder zu wenig Energie in einer Zelle, dann bringt man sie einfach auf einen plausiblen Wert – und läßt das Programm weiter laufen. Man gleist das entgleiste Programm also einfach wieder auf und macht weiter, als wäre nichts geschehen – ein Vorgehen, das in der Programmierpraxis leider öfter vorkommt.

Wie vertrauenswürdig sind die Ergebnisse solcher Programme? Klimamodelle gibt es seit mindestens 30 Jahren. Im Vergleich mit den real gemessenen Beobachtungen aus diesen 30 Jahren laufen die Prognosen der Modelle zu heiß. Sie überschätzen die Gefahr der Klimaerwärmung. Auch der Weltklimarat räumt das ein, hält aber in seinen Veröffentlichungen trotzdem an den Prognosen der Modelle fest. Politiker, Journalisten und Aktivisten greifen sie auf und schüren damit die Klimaangst. Leider macht diese Angst die Klimadiskussion so emotional und unübersichtlich. Es geht kaum noch um Daten und Zusammenhänge, dafür immer mehr um Meinungen und Personalien.

Das Schwanken der Oszillationen

Warum irren die Modelle? Weil sie es prinzipiell nicht vermögen, die Komplexität der Realität abzubilden. Sie müssen vereinfachen, und konzentrieren sich bisher – wie auch der Weltklimarat selbst – auf das CO2. Doch inzwischen kennt man eine Vielzahl weiterer Faktoren, die das Klima beeinflussen. Dazu gehören oszillierende (über gewisse Zeiträume schwankende) Wärmeverteilungen in den Ozeanen (AMO, PDO, ENSO) oder der ebenfalls oszillierende Luftdruckunterschied zwischen Islandtief und Azorenhoch (NAO). Hinzu kommen Oszillationen in der Sonnenaktivität (z. B. der Sonnenfleckenzyklus) und das daraus resultierende „Weltraumwetter“, das Zusammenspiel von Sonnenwind und kosmischer Strahlung, das auf die Atmosphäre wirkt und damit Wolkenbildung und Wettergeschehen beeinflußt.

Sollte sich das bestätigen, dann haben wir das 1,5-Grad-Ziel bereits erreicht

All diese Oszillationen schwingen unterschiedlich und überlagern sich gegenseitig wie die Wellen einer aufgewühlten Wasseroberfläche. Die daraus resultierenden Wirkungen bestimmen das Auf und Ab des Klimas. All diese faszinierenden Zusammenhänge bleiben allerdings verborgen, wenn man – wie der Weltklimarat – scheuklappenartig nur die letzten 150 Jahre seit dem Ende der kleinen Eiszeit betrachtet. Man sieht dann einen aufsteigenden Temperaturtrend – und kann kaum anders, als anzunehmen, daß er immer so weitergehen würde, bis die Erde verglüht sei.

Der wichtigste Parameter, mit denen man die Klimamodelle füttert, ist die Klimasensitivität, das Maß der Temperatursteigerung bei Verdoppelung des CO2-Anteils in der Atmosphäre. Die Forschung dazu läuft auf Hochtouren, denn es ist nicht einfach, sie zu bestimmen. Es scheint jedoch, daß die Klimasensitivität längst nicht so hoch ist, wie bisher befürchtet. Nennt der Weltklimarat aktuell noch 2,5 bis 4,5 Grad, so verdichten sich die Ergebnisse neuerer Studien im Bereich von 0,5 bis 1,6 Grad. Sollte sich das bestätigen, dann haben wir das 1,5-Grad-Ziel bereits erreicht, denn wir haben gar nicht genug Zeug zu verbrennen, um CO2 zu verdoppeln. Wußten Sie übrigens, daß der CO2-Anstieg ein Segen für die Pflanzenwelt ist? Mehr CO2 in der Luft unterstützt die Photosynthese und hilft den Pflanzen, das vorhandene Wasser besser zu nutzen: Die Erde wird deshalb seit Jahrzehnten grüner, die Ernteerträge steigen kontinuierlich.

Menschengemachter Klimawandel

Wenn CO2 nicht das Problem ist – hat der Mensch also keinen Anteil am Klimawandel? Doch! Ein eigentlich erfreulicher Beitrag zur Klimaerwärmung entstammt dem Umweltschutz seit den 1980er Jahren: Industrieanlagen bekamen Rauchfilter, Autos Katalysatoren. Hatten bis dahin Dunstglocken aus Ruß und Aerosolen die Sonneneinstrahlung immer stärker gedämpft (Global Dimming), so scheint die Sonne heute wieder heller (Global Brightening) – und damit wärmer.

Ein eigentlich erfreulicher Beitrag zur Klimaerwärmung entstammt dem Umweltschutz seit den 1980er Jahren

Weniger erfreulich sind Erwärmung und Austrocknung durch Bodenversiegelung, Trockenlegung der Landschaft und die Energiewende: Beton und Asphalt erwärmen sich in der Sonne stärker als grünes Land. Trockener Boden erwärmt sich aufgrund fehlender Verdunstungskälte stärker als feuchter. Die dunklen Flächen der Solarpaneele erwärmen sich stärker als natürlicher Boden. Das alles heizt die Luft auf, wird gemessen und landet in der Klimastatistik. Versiegelung und Trockenlegung bewirken zudem, daß Niederschlag rasch abfließt und nicht das Grundwasser auffüllen kann, sondern am Ende zum Meeresspiegelanstieg beiträgt. Unsere 30.000 Windräder entziehen dem Wind nicht nur Energie (mögliche Ursache für Global Stilling), sondern verwirbeln auch die Luft auf eine Weise, die Taubildung verhindert. Das entzieht dem Boden zusätzlich Feuchtigkeit. Trockener Boden, trockene Luft – gerade im dicht verspargelten Norddeutschland ändert sich dadurch schon das Wetter: Das typische feucht-windige „Hamburger Schmuddelwetter“ ist selten geworden, Sonnenschein dafür häufiger. So schön das für uns Hamburger ist – hier gibt es Herausforderungen für einen neu ausgerichteten Umweltschutz.

Doch es gibt auch Hoffnung für alle Klimaangst-Geplagten: Manche Klima- und Sonnenforscher sehen Hinweise auf eine mögliche Trendumkehr in Richtung Abkühlung um 2030 herum. Solch eine Trendumkehr gab es schon mal in jüngerer Vergangenheit: Eine längere Klimaabkühlung hat in den 1970ern zunehmend Besorgnis erregt. Gefühlte 97 Prozent der Experten waren sich damals darüber einig, daß wir auf eine neue Eiszeit zusteuern. Und Rudi Carrell sang „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ In den 1980ern drehte sich der Trend in Richtung Erwärmung – und erregte neue Besorgnis…

Information vertreibt die Angst

Spannende – und entspannende – Zusammenhänge offenbaren sich, wenn man den Blick von den unmittelbaren Symptomen hebt und das ganze Bild betrachtet. Ein zu enger Blick führt zu Fehlschlüssen. Eng wird der Blick durch Streß – oder durch Angst. Das Wort Angst kommt von Enge. Leider schüren Großveranstaltungen wie die COP27 die Klimaangst weiter. Etwa wenn UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor den Kameras und Mikrofonen der Welt drastisch verkündet, wir befänden uns mit Vollgas auf dem „Highway in die Klimahölle“.

Doch die Presse, die eigentlich von schlechten Nachrichten lebt, schlägt zumindest jenseits des großen Teiches allmählich leisere Töne an: So schreibt das Wallstreet Journal: „Gute Nachrichten zum Klimawandel sind druckreif: Langsam sickert in die Köpfe der Journalisten ein, daß die jüngsten Forschungsergebnisse optimistisch stimmen.“ Oder die New York Times: „Jenseits der Katastrophe: Eine neue Klima-Realität kommt in Sicht.“

„Gute Nachrichten zum Klimawandel sind druckreif“

Es ist schwierig, aus der emotional aufgeheizten Klimadiskussion die harten Sachinformationen zu extrahieren. Mir kommt zugute, daß ich eine empirische Wissenschaft studiert habe – und damit gelernt habe, die Abstracts wissenschaftlicher Studien zu lesen und zu beurteilen. Sie lassen sich gut im Internet finden, denn dafür wurde es ja ursprünglich geschaffen. Die meisten Menschen sind aber auf das angstgeladene Material angewiesen, das ihnen Nachrichtenmedien und soziale Medien liefern. Angststörungen nehmen seit vielen Jahren zu und überlasten das Gesundheitswesen. Und unsere angstgetriebene Energiewende hat etwas von „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Können wir auf einen Wandel hin zu besonnener Sachlichkeit hoffen? Die Erkenntnis, daß der bisherige teure und krisenschwangere Weg wohl ein Irrweg war, wird allerdings sehr, sehr schmerzhaft sein. Die Versuchung, weiterzumachen wie bisher, um uns diesen Schmerz zu ersparen, ist groß…