Kondratieff – wie geht es weiter?

Zurück in die Zukunft – sicher kennen Sie die geniale Filmtrilogie von Robert Zemeckis. Auf ihren Zeitreisen bringen Marty McFly und Doc Brown die Zeit ordentlich durcheinander. Vorwärts in die Vergangenheit – das scheint der heutige Zeitgeist zu sein, der unsere Wirtschaft heftig durcheinanderwirbelt. Einer meiner ersten Grundlagenartikel über die Entwicklung und mögliche Zukunft der Industrialisierung zeichnete einen optimistischen Ausblick. Es klang alles so gut. Doch wenn man sich heute umschaut, scheint das alles in Frage zu stehen. Zeit für einen neuen Grundlagenartikel.

Die in dem früheren Grundlagenartikel aufgegriffene, wenig bekannte Kondratiefftheorie – benannt nach dem russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff – beschreibt das Auf und Ab der Konjunktur über lange Zeiträume hinweg. Jede der bisher fünf langen Wellen begann mit einer bahnbrechenden Erfindung, die nicht nur ein brennendes Problem löste, sondern ein technologisches Netz schuf, das die Art zu arbeiten und zu leben über Jahrzehnte veränderte: Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektromotor, Auto und Computer waren die bisherigen Basisinnovationen. Ein Kondratieffzyklus erstreckt sich über 40 bis 60 Jahre, und sie begannen und endeten alle auf ähnliche Weise. Das ermöglicht eine Abschätzung, wie sich die Wirtschaft weiterentwickeln würde – wohinein es sich also zu investieren lohnt, damit es auch in Zukunft weitergeht.
 

Quelle: Erik Händeler, Kondratieffs Gedankenwelt – Die Chancen im Wandel zur Wissensgesellschaft, Seite 30, mit freundlicher Genehmigung. (Strukturierte Information = Daten, unstrukturierte Information = Wissen.)

Der derzeitige Computer-Kondratieff begann in den 1980er Jahren mit dem Durchbruch des PCs und kommt mittlerweile in die Jahre: Die Welt ist digital vernetzt, die Technik ist ausgereift, die Märkte gesättigt. Der anfangs gewaltige Produktivitätszuwachs hält sich mittlerweile in Grenzen. Der Aufwand, diese Technik angesichts steigender Komplexität und Sicherheitsrisiken zu betreiben, steigt hingegen – und frißt die Produktivitätsvorteile zusehends auf.

Läuft da etwas schief?

Nun wäre es eigentlich Zeit für das „nächste große Ding“ nach dem Computer. Und für das – hoffentlich nicht allzu krisenhafte – Zurücktreten des Bisherigen. Sprich: Für den Vorgang, den der Ökonom Josef SchumpeterSchöpferische Zerstörung“ nannte. Das Alte muß dem Neuen weichen, damit die Ressourcen, die bislang dem Alten dienen, frei werden für das Neue.

Was ist heute das Neue? Der Übergang von der Informationsgesellschaft (genauer: Datengesellschaft) zur Wissensgesellschaft bedingt, daß der Mensch als Wissensträger in das Zentrum der Wertschöpfung rückt. Erkennbar ist das an der starken Zunahme von Wissensarbeit. Sie wirft neue Fragen nach Arbeitsorganisation, Produktivitätskriterien, Führungsstilen, Mitarbeitergesundheit oder Work-Life-Balance auf, die zugleich das Arbeitsspektrum eines neuen Berufsbildes umreißen: des Feelgood Managers. Es ist eben etwas wirklich Neues.

„Umgang mit Wissen ist Umgang mit anderen Menschen.“
– Erik Händeler

Es schien, daß das allmähliche Zurückweichen des Alten mit dem Jahr-2000-Problem begann, der bisher teuersten Technikpanne der Industriegeschichte. Es brachte die IT-Branche und ihre „New Economy“ aus dem Tritt; wenig später platzte die Dotcom-Blase. Der Nachhall dieses Knalls zog wiederum einen Rattenschwanz weiterer Krisen nach sich: Subprimekrise, Bankenkrise, Vertrauenskrise, Finanzkrise, Staatsschuldenkrise, Eurokrise. Keine dieser Krisen ist bisher überwunden. Nullzinsen und Gelddrucken haben sie lediglich unter den Teppich gekehrt, wo sie weiterschwelen und fortlaufend die Wirtschaft erodieren. Und immer noch sagt man, die Digitalisierung sei die Zukunft. Doch inzwischen beschäftigen uns ganz andere Probleme. Ich frage mich deshalb: Läuft dieses Mal etwas schief mit dem neuen Kondratieffzyklus?

Wider die Krise

Übergänge zwischen Kondratieffzyklen gestalten sich oft krisenhaft – so etwa der Übergang vom 3. zum 4. Kondratieffzyklus, vom Elektro-Kondratieff zum Auto-Kondratieff in Form der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Der Übergang vom 4. zum 5. Kondratieffzyklus – vom Auto-Kondratieff zum Computer-Kondratieff – in den 1970ern lief hingegen relativ glimpflich ab. Das von der Autobranche getragene Wirtschaftswunder ging zu Ende, die Ölkrise setzte noch eins drauf, die Stimmung sank, die Arbeitslosigkeit stieg. Doch der Auto-Kondratieff hatte genügend Wohlstand erarbeitet, so daß wir keinen tiefgreifenden Wohlstandsverlust erlitten. Und die neue Basisinnovation, der Computer, stand rechtzeitig zur Verfügung, um Produktivität und Wachstum weiter voranzutreiben.

So haben die meisten heute lebenden Menschen eine lange Zeit des Wohlstands erlebt. Die Politik tut ihr Bestes, um Wandel und Krisen auch weiterhin vom Volk fernzuhalten. Doch mittlerweile übertreibt sie es: Sie führt einen Krieg gegen ein 0,04-Prozent-Spurengas in der Atmosphäre, einen anderen Krieg gegen ein Virus, und inzwischen auch einen Wirtschaftskrieg gegen unseren wichtigsten Energielieferanten. Drei Kriege auf einmal – das ist zu viel. Hat schon der coronabedingte Stillstand der Wirtschaft die Dinge ordentlich durchgerüttelt, so haben wir nun eine handfeste Energiekrise und eine galoppierende Inflation. Man fürchtet eine Insolvenzwelle, den Zusammenbruch der Energieversorgung, vielleicht sogar Volksaufstände.

Drei Kriege auf einmal – das ist zu viel

Wenn es Menschen zu lange zu gut geht, dann werden sie schwach und kommen auf dumme Gedanken. Nicht ohne Grund hört man heute immer öfter von „Wohlstandsverwahrlosung“ und „spätrömischer Dekadenz“. Wir haben eine Fülle von Problemen und stecken zweifelsohne in mehr als einer Krise – aber was ist denn nun mit dem nächsten Kondratieffzyklus? Können wir die Kondratiefftheorie vergessen? Habe ich aufs falsche Pferd gesetzt?

Alles nach Plan?

Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken darüber gemacht – ein Grund dafür, warum in dieser Zeit nur wenige Artikel online gegangen sind, obwohl mir die Themenliste geradezu über den Kopf wächst. Es mag zynisch klingen angesichts einer Welt, die in vielerlei Hinsicht dem Untergang gefährlich nahe scheint, wenn ich als Fazit meiner Beobachtungen und Überlegungen schreibe: Es läuft alles nach Plan – zumindest im Sinne der Kondratiefftheorie.

Zugleich muß ich meine Besorgnis darüber ausdrücken, daß zu vieles in unserer Welt und in unserem Land schief läuft und – vielleicht irreversibel – in eine Richtung zu kippen droht, die wir nicht wollen. Nicht vorenthalten will ich Ihnen aber auch die gute Nachricht aus der faszinierend dynamischen Welt der Klimaforschung, daß – egal, was Sie von Politikern, Journalisten, Aktivisten oder Klimafolgenforschern hören – der Klimawandel zwar ein Wandel, aber keine Krise ist. Eine Krise weniger! Mehr Ressourcen für die Überwindung der anderen Krisen! Greta Thunberg hatte ja gemahnt: „Hört auf die Wissenschaft!“ Aber wollen wir wirklich hören, was die Wissenschaft Neues herausgefunden hat? Oder halten wir lieber an unserer altvertrauten Meinung fest?

Und genau das ist leider der Einstieg in meine Betrachtungen: Uns sind Wahrheit und Wissen verloren gegangen. Meinungen und Fake News machen die Runde. Wissenschaftliche Diskussionen verlieren sich in Ad-hominems. Soziale Netzwerke canceln User, die „falsch“ denken. Die Nachrichtenmedien informieren nicht mehr über die Realität, sondern demonstrieren vor allem Haltung. Niemand weiß mehr, was wahr und was falsch ist. Selbsternannte „Faktenprüfer“ sortieren das Durcheinander auf neue Weise – und fallen damit bei anderen „Faktenprüfern“ durch. Am Ende blamiert sich die Tagesschau, einst Maßstab für vorbildlichen Journalismus, bis auf die Knochen mit der Meldung über einen Fernseher, der Strom erzeugt. Wem können wir noch glauben? Was soll man noch glauben? Wie können wir Information und Desinformation, Wissen und Scheinwissen unterscheiden und entwirren?

Was das mit Kondratieff zu tun hat

Das also ist der Zustand unserer Gesellschaft. Wie weit färbt er in die Arbeitswelt ab? Wie weit drückt das die Produktivität? Der Punkt ist: All diese Phänomene machen deutlich, wie sehr es uns an der Fähigkeit fehlt, produktiv mit Wissen umzugehen – insbesondere mit widersprüchlichem und unvollständigem Wissen, wie es für eine komplexe VUCA-Welt typisch ist. Wir haben das in Schule und Studium nicht gelernt. Die Komplexität, die Ende des 19. Jahrhunderts abgenommen hat, nimmt seit den 1980ern wieder zu – und zwar durch Globalisierung und Digitalisierung.
 

Taylor-Wanne der Komplexität: Vom Elektro-Kondratieff zum Computer-Kondratieff
Quelle: Niels Pfläging, Slideshare.net, Folie 16, mit freundlicher Genehmigung

Damit wird sicher deutlich, was das alles mit der Kondratiefftheorie zu tun hat: Ein neuer Kondratieffzyklus wird „fällig“, wenn ein Produktionsfaktor nicht schnell genug mit der Entwicklung mitwachsen kann. Der bisherige Computer-Kondratieff hat eine Entwicklung angestoßen, die zwangsläufig zum heutigen Mangel führte: Die Fähigkeit des Menschen, produktiv mit der wachsenden Informationsfülle umzugehen, hielt nicht Schritt mit dem Informationswachstum. Dabei geht es nicht um Daten im Computer. Es geht um Wissen im Kopf: Um aus der Datenfülle die gerade benötigte Information extrahieren zu können, braucht man ein Mindestwissen darüber, was man sucht, und wie man es findet. Und man braucht weiteres Wissen, um zu prüfen, ob das Suchergebnis etwas taugt.

„Uns dürstet nach Wissen, aber wir ertrinken in Informationen.“
– John Naisbitt, Zukunftsforscher

Computer sollten Menschen nicht das Denken oder Entscheiden abnehmen; sie sollten es unterstützen. Die Entwicklung läuft allerdings gerade in die andere Richtung: Der Mensch verläßt sich auf Algorithmen, Computermodelle und Entscheidungen künstlicher Intelligenzen – und verlernt dabei das Selberdenken. Doch Computer sind nicht in der Lage zu denken. Und schon gar nicht, mit Widersprüchlichkeiten und Ambiguitäten, mit Zielkonflikten und Abwägungen, mit Unschärfe und Kompromissen umzugehen, wie sie komplexe Problemstellungen mit sich bringen. Computer sind nur da besser als der Mensch, wo es um das Abarbeiten einer programmierbaren Folge von Entscheidungen auf bereits vorgebahnten Wegen geht. Wo wir angesichts steigender Komplexität neue Wege beschreiten und neues Wissen generieren müssen, geht es nicht ohne menschliche Kreativität und Intelligenz.

Herausforderung: Umdenken und Umkehr

Uns fehlen bislang Werkzeuge und Sprache, um mit Komplexität produktiv umzugehen. Darauf weist der österreichische Komplexitäts-Experte Herbert Saurugg hin. Zwar gebe es Versuche, komplexe Systeme mit mathematischen Modellen zu beschreiben. Doch das sei immer nur eine Annäherung, die allerdings zur Annahme der Berechen- und Beherrschbarkeit verleite. Komplexität sei immer ein Mangel an Information. Da hilft auch nicht Big Data. Wir können mit der alten Datenfülle die anstehenden, völlig neuen Herausforderungen nicht bewältigen. Solch eine Mangellage ist typisch für einen Übergang von einem zum nächsten Kondratieffzyklus – eine krisenhafte, aber zugleich faszinierend kreative Zeit … sofern wir bereit sind, uns darauf einzulassen.

„Wir arbeiten in Strukturen von gestern mit Methoden von heute an Problemen von morgen.“
– Knut Bleicher, Wirtschaftswissenschaftler

Wie das Scheitern an der Komplexität in den Unternehmen aussieht, kann ich aus meiner Coach-Perspektive schwer einschätzen. Das Scheitern der Politik hingegen ist gerade in aller Öffentlichkeit sichtbar: Man versucht CO2 zu reduzieren – und CO2 steigt. Man versucht, Krisen zu bekämpfen – und schafft damit neue Krisen. Man will Putin mit Sanktionen schaden – und schadet damit sich selbst. Die Dinge funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Zeitbedarf und Kosten von Projekten explodieren. Die Politik wirkt ohnmächtig und getrieben. Sie versucht den angerichteten Schaden mit weiteren unterkomplexen Mitteln zu beheben, die es immer nur verschlimmbessern. Spott und Häme sind hier nicht angebracht, nicht nur weil wir alle darunter leiden. Wir müssen begreifen, daß das bisher bewährte lineare Denken in einfachen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen nicht mehr ausreicht. Wir müssen lernen, vernetzt zu denken. Wir müssen, so Saurugg, vom polarisierenden Entweder-oder-Denken zu einem umfassenden Sowohl-als-auch-Denken kommen.

Komplexität ist immer ein Mangel an Information

Umdenken ist die große Herausforderung. Und noch mehr: Umkehren von den gewohnten, ausgetretenen, nicht mehr tragfähigen Wegen. Es ist die Aufforderung, die mein Navi bringt, wenn ich mich verfahren habe: „Bitte wenden.“ Es ist ein geradezu biblischer Satz: „Kehrt um von euren falschen Wegen!“ Ebenso notwendig für einen gelingenden Einstieg in den nächsten Kondratieffzyklus ist auch ein Wandel im menschlichen Verhalten. Schon vor einem Vierteljahrhundert wies der Ökonom Leo Nefiodow darauf hin, wie sehr psychosoziale Gesundheit – vereinfacht übersetzt: die Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren und zu kooperieren – ein Erfolgsfaktor für die anbrechende Wissensgesellschaft sei. Später nannte Nefiodow Gesundheit generell als unverzichtbares Erfolgskriterium. Corona hat das eindrücklich bestätigt.

Informationsgewinn durch Irrtum  

Noch einen Schritt weiter geht der österreichische Ingenieur und Energieberater Jürgen Weigl in seinem gleichermaßen weitblickenden wie bodenständigen Buch „Klimawandel – Licht und Schatten“: Die außerordentliche Entwicklung der europäischen Zivilisation wie der modernen Wissenschaft beruhe auf der Fähigkeit des Menschen, Fehler zu benennen und zu korrigieren – eine kulturelle Leistung, die aus dem biblischen Glauben an Umkehr und Vergebung entstanden sei. Beides seien die zentralen Wirkmechanismen auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Diese Prinzipien scheinen uns derzeit verloren zu gehen. Das zeigt der Blick auf die erbitterte Klimadiskussion, die statt des vermeintlichen oder tatsächlichen Irrtums den vermeintlich oder tatsächlich irrenden Menschen zurückweist. Und ebenso der Blick auf unsere Gesellschaft, die unter der wehenden Fahne von Moral, Tugendhaftigkeit und Besserwisserei nur das Eigene gelten läßt, und alles andere ablehnt.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“
– Francis Picabia

Uns steht jedoch, so Weigl, eine Segelfahrt gegen den Wind bevor: Wir können das Ziel nur im Zickzackkurs kreuzend erreichen – übertragen: durch Versuch und Irrtum, kurz: agil. Die erforderlichen Wendemanöver seien arbeitsintensiv – so, wie auch der Erkenntnisprozeß in der Wissenschaft, das Hinterfragen von bisher Geglaubtem und der Richtungswechsel im Denken, arbeitsintensive Prozesse seien. Wissen entstehe nicht durch demokratische Abstimmungsprozesse, sondern aus dem Prüfen der Gegenargumente zum eigenen Argument. All das erfordert charakterliche Reife: Die Computertechnik ist ausgereift – der Mensch muß nun nachreifen.

Vorwärts oder rückwärts?

Auch mich überraschte das Fazit meiner Überlegungen: Die Kondratiefftheorie gilt weiter – und weist uns den Weg. Doch der Weg ist noch weitgehend unbekannt und wahrscheinlich steiniger, als es noch vor einigen Jahren schien. Das verunsichert. Um Sicherheit zu gewinnen, halten wir uns gern an Vertrautes und Bewährtes. Die Politik blickt 100 Jahre zurück in den Elektro-Kondratieff: Alles soll elektrisch werden. Und eigentlich reicht die Sehnsucht noch weiter: Zurück zur Natur, in die vorindustrielle Zeit. Leben im Einklang mit der Natur – was für eine verlockende Vorstellung in übertechnisierten Zeiten. Doch der Mediziner und Statistiker Hans Rosling gibt zu bedenken: „Die Menschen lebten nicht im Einklang mit der Natur. Sie starben im Einklang mit der Natur.“

Der Rückwärtsgang wird uns nicht voranbringen. Wir können die Komplexität nicht austricksen: Um den Problemen der Technik zu entfliehen, stellen wir die Natur voll mit noch mehr Technik, mit monströsen Windrädern und Solarpaneelen. So funktioniert es nicht. Es gibt nur den Weg vorwärts, hin zum Menschen. In ihn gilt es gerade jetzt in unsicheren und knappen Krisenzeiten zu investieren, insbesondere in Bildung und Gesundheit – Bereiche, in denen der Ressourcen- und Personalmangel schon jetzt am größten ist. Aber nicht in Form eines Weiter-so oder eines Mehr-vom-Selben. Wir müssen diese Bereiche, und eigentlich unsere gesamte Gesellschaft, völlig neu denken. Eine Schlüsselrolle dabei spielt das Gesundheitswesen, das sich bisher lediglich als Reparaturbetrieb versteht: Der Erhalt der Gesundheit – körperlich und seelisch – verlängert die produktive Lebenszeit und senkt Krankheits- und Pflegekosten. Der Gewinn für unsere Gesellschaft wäre allein dadurch enorm.

„Gegen Inflation und Wirtschaftskrise hilft vor allem, die Produktivität zu erhöhen.“
– Erik Händeler

Im Unternehmenskontext gilt es, den Blick auf den Menschen im Unternehmen zu richten, ihn ein Arbeitsleben lang gesund und produktiv zu erhalten, und ihn darüber hinaus zu ermutigen, zu befähigen und zu ermächtigen, und dafür unter anderem eine gute Kommunikationskultur, Wissenskultur und Fehlerkultur aufzubauen – zentrale Arbeitsfelder des Feelgood Managements. Keine einfache Sache – gerade jetzt, in Krisenzeiten, da Unternehmen eher damit beschäftigt sind, zu überleben, als in die zukünftige Produktivität zu investieren.